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Der Unabhängigkeitskrieg 1948

Im Laufe seines 60jährigen Bestehens war der Staat Israel fortwährend gezwungen, Kriege zu führen, um die Angriffe seiner arabischen Nachbarn abzuwehren. Doch waren diese Kriege nur einzelne Höhepunkte in einem andauernden arabisch-israelischen Krieg, denn auch in den Zeiten des Waffenstillstandes hatten die Waffen nie wirklich geschwiegen.

Grafik: Historische Karte
UNO-Teilungsplan 1947: Der Teilungsplan der Vereinten Nation … (Quelle: Avi Shlaim)Größere Abbildung anzeigen

Der Existenzkampf des modernen Staates weist viele Parallelen zur Geschichte des antiken Reiches und der Geschichte der Juden durch die Jahrtausende auf. Im Buch Nehemia wird der Wiederaufbau der Stadtmauer durch die Heimkehrer aus dem babylonischen Exil mit folgenden Worten beschrieben: „… mit der einen Hand taten sie die Arbeit, und mit der anderen hielten sie die Waffe.“

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Teilungsplan der Vereinten Nationen scheitert

Die Geburtsstunde des Staates Israel schlug am 29. November 1947, als die Vollversammlung der Vereinten Nationen den Vorschlägen der UN-Sonderkommission für Palästina folgte und mit einer Mehrheit von 33 Nationen für das Ende des britischen Mandates in Palästina und eine Teilung des Landes in unabhängige jüdische und arabische Staaten stimmte. Die Kämpfe begannen unmittelbar nach Bekanntwerden der UNO-Resolution und weiteten sich zum Ersten Arabisch-Israelischen Krieg aus, der auch als Unabhängigkeitskrieg Israels in die Geschichte einging.

Der Krieg begann am 30. November 1947 mit Angriffen von arabischer Seite und endete am 20. Juli 1949, dem Tag des Waffenstillstandsvertrages mit Syrien. Auf Seite der „Arabischen Liga“ standen die Truppen von Ägypten, Syrien, Libanon, Transjordanien und Irak, unterstützt von palästinensisch-arabischen Milizen. Die Hauptlast der Verteidigung auf jüdischer Seite trug wie in den vorangegangenen Jahrzehnten die 1920 gegründete selbstständige Verteidigungs-Organisation „Haganah“ und ihre mobile zentrale Reserve, die im Mai 1941 erstmals aufgestellten PALMACH-Einheiten. Hinzu kamen 2000-3000 Kämpfer der Organisationen ETZEL („Irgun“) und LECHI sowie jüdische Freiwillige aus dem Ausland (MACHAL), wie z.B. der amerikanische Oberst David Marcus.

An Pessach 1948 standen in der „Haganah“ bereits 18.000, Mitte Mai, noch vor Gründung von ZAHAL mehr als 30.000 Männer und Frauen unter Waffen. Die Kämpfe der ersten Monate wurden von arabischer Seite durch Banden und Milizen, unterstützt durch die „Arabische Legion“ Transjordaniens und die sogenannte „Arabische Befreiungsarmee“ (ALA) geführt. Mit der Invasion aller beteiligten arabischen Staaten am 15. Mai 1948, dem Tag nach der Staatsgründung Israels, erhöhte sich die Zahl der regulären arabischen Streitkräfte auf 30.000, unterstützt durch 10.000 Kämpfer der palästinensischen Araber. Besonders deutlich war die Überlegenheit der Araber im Bereich der schweren Waffen, 40 Kampfpanzer, 200 Panzerwagen mit Kanonen und 140 Feldgeschütze gegenüber 1 bzw. 2 und 5 auf israelischer Seite.

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David Ben Gurion verliest die Unabhängigkeitserklärung
14. Mai 1948 David Ben Gurion verliest die Unabhängigkeitser … (Quelle: Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Systematische Eroberungen sichern das heutige Staatsgebiet

In der 1. Phase des Krieges bis Anfang April 1948 beschränkte sich die „Haganah“ auf das System der „aktiven Verteidigung“ mit dem Ziel, die Verbindungswege zwischen den jüdischen Siedlungsgebieten, insbesondere die freie Zufahrt nach Jerusalem zu sichern, die Wasserröhrenleitung im Negev zu schützen und auch isolierte Siedlungen zu verteidigen. Die arabischen Milizen erzielten bei Angriffen durchaus einige Erfolge, waren aber auf Grund ihrer schlechten Organisation nicht in der Lage, diese in einen bleibenden Vorteil umzuwandeln. Die „Haganah“ befreite sich von diesem Druck immer wieder durch selektive Angriffe. Besonders schwierig war der Schutz isolierter Ortschaften und die Freihaltung der Verbindungswege. In diesem sogenannten „Kampf um die Landstraßen“ mussten die jüdischen Verteidiger in der zweiten Märzhälfte 1948 schwere Rückschläge hinnehmen.

Angesichts dieser verzweifelten Situation fällte die jüdische Führung die Entscheidung, von der „aktiven Verteidigung“ zu einer offensiven Strategie überzugehen. In der Nacht zum 6. April begann eine militärische Operation zur Öffnung des Verkehrsweges nach Jerusalem. Die unter dem Namen „Nachschon“ bekannte Operation war ein militärischer Erfolg, in deren Folge zwar nicht alle gesetzten Ziele erreicht werden konnten, die jedoch einen wichtigen Wendepunkt im Verlauf des Krieges darstellte. Es war den jüdischen Streitkräften gelungen, die Initiative an sich zu reißen; dies bewirkte eine enorme Stärkung der Moral auf jüdischer Seite. Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn operierte ein großer jüdischer Verband unter einheitlicher Führung mit Erfolg. Zudem war man von dem System der Vergeltungsschläge und selektiven Angriffe zur Strategie der systematischen Eroberung und Besetzung von Gebiet übergegangen. Die positive Wende in der militärischen Lage veranlasste den Generalstab der „Haganah“ einen umfassenden Plan für eine zukünftige Kriegsführung auszuarbeiten. Plan „Daleth“ sah vor, das gesamte Gebiet des zukünftigen jüdischen Staates unter militärische Kontrolle zu bringen. Dies musste einhergehen mit dem Abzug der britischen Truppen und würde eine erfolgreiche Verteidigung des jüdischen Gebietes gegen die zu erwartende Invasion der arabischen Streitkräfte wesentlich vereinfachen. Zwischen Anfang April und Mitte Mai hatte die „Haganah“ den Plan „Daleth verwirklicht und das im UNO-Teilungsplan vorgesehene Gebiet des jüdischen Staates einschließlich der Städte Jaffa, Haifa, Akko, Safed, Tiberias und Beth Shean besetzt.

Am Nachmittag des 14. Mai 1948 traten die Abgeordneten der provisorischen Volksvertretung im Museum von Tel-Aviv zusammen und proklamierten die Gründung des Staates Israel. David Ben Gurion - als Oberhaupt der Provisorischen Staatsregierung– verlas die Unabhängigkeitserklärung. "Das Land war vor Freude überwältigt", notierte Ben Gurion in seinem Tagebuch. "Aber wie am 29. November enthielt ich mich der Freude. Der Staat war gegründet. Unser Schicksal liegt nun in den Händen der Verteidigungskräfte."

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Staatsgründung trotz arabischem Widerstand

Nach Mitternacht, mit Erlöschen des Britischen Mandats in Palästina, marschierten die Armeen von fünf arabischen Staaten in Israel ein. Die im Norden des Landes angreifenden syrischen, libanesischen und irakischen Truppen wurden im Laufe der 2. Maihälfte zurückgeschlagen. Die syrische Armee zog sich in das Gebiet östlich des Genezareth-Sees zurück und erneuerte ihre Angriffe in diesem Frontabschnitt nicht mehr. Die irakischen Truppen wichen über den Jordan aus und setzten ihre Angriffe im „Arabischen Dreieck“ zwischen Nablus, Tulkarem und Jenin fort. Ein Gegenangriff zweier jüdischer Brigaden scheiterte nach anfänglichen Erfolgen am Widerstand der irakischen Invasionsarmee, jedoch konnten die Operationen der Iraker in Richtung Küstenebene zurückgewiesen werden. Währendessen begann die Lage im Zentrum des Landes und bei Jerusalem für die jüdischen Verteidiger kritisch zu werden. Die „Arabische Legion“ Jordaniens hatte ihre Verbände bereits am 14. Mai bei Jericho über den Jordan geführt und den Angriff auf Jerusalem begonnen, das von allen Seiten eingeschlossen wurde. Gegenangriffe israelischer Streitkräfte zur Öffnung der Heerstraße zwischen Latrum und Jerusalem blieben erfolglos.

Grafik: Historische Karte
Invasion der Streitkräfte der Arabischen Liga (Quelle: Simha Flapan)Größere Abbildung anzeigen

An der Südfront drang die ägyptische Armee seit 15. Mai auf zwei Stoßlinien in israelisches Gebiet ein, auf der Küstenstraße in Richtung Tel Aviv und über Beersheba und Hebron in Richtung auf Jerusalem. Der Vormarsch auf Tel Aviv konnte Anfang Juni aufgehalten werden, auf der östlichen Vormarschstraße erreichten die ägyptischen Truppen Bethlehem und nahmen zusammen mit der „Arabischen Legion“ am Angriff auf Süd-Jerusalem teil. Gleichzeitig begannen die syrischen und libanesischen Streitkräfte, unterstützt von der Arabischen Befreiungsarmee, erneute Angriffe auf den Norden des Landes.

Die von der UNO für den 11. Juni angeordnete Waffenruhe – an der Nordfront endeten die Kämpfe am 13. – dauerte bis zum 9. Juli. Trotz zahlreicher Rückschläge – in dieser Phase des Krieges gingen erstmals jüdische Siedlungen an den Feind verloren – war es den jüdischen Verteidigern gelungen, den Vormarsch der arabischen Truppen aufzufangen und zum Stehen zu bringen. In dieser kritischen Phase des Krieges bestanden die jüdischen Streitkräfte, die durch das Gesetz der Provisorischen Regierung vom 28. Mai 1948 zur „Verteidigungsarmee Israels“ (ZAHAL) wurden, aus zehn Infanteriebrigaden, einer mechanisierten Brigade und einer noch in der Aufstellung befindlichen Panzerbrigade.

Israelische Flugabwehr
Israelische Flugabwehr überwacht den Luftraum. (Quelle: Archiv)Größere Abbildung anzeigen

In den auf den Waffenstillstand folgenden so genannten „Zehn-Tage-Kämpfen“ erzielte ZAHAL Erfolge an allen Fronten, gegen die „Arabische Befreiungsarmee“ in Galiläa, im Zentrum sowie der Region um Jerusalem gegen die „Arabische Legion“ und im Süden gegen die ägyptischen Truppen. Am 19. Juli 1948 trat ein zweiter Waffenstillstand in Kraft. Die Zeit der Waffenruhe sollte für Vermittlungsgespräche bzw. Friedensverhandlungen zwischen den Kriegsparteien genutzt werden, die jedoch scheiterten.

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Grafik: Historische Karte
Israel nach dem Waffenstillstand 1949 (Quelle: Avi Shlaim)Größere Abbildung anzeigen

Israelische Militäroffensive erfolgreich

Am 15. Oktober 1948 begann mit einer Offensive der israelischen Streitkräfte, „Unternehmen Yo´av“, zur Befreiung des Negev die letzte Phase des Krieges. In dieser und weiteren Unternehmungen gelang es den israelischen Truppen, die Ägypter militärisch zu schlagen und aus dem Süden des Landes zu vertreiben. Gleichzeitig waren auch große Erfolge an der Nordfront zu verzeichnen. Im „Unternehmen Chiram“ wurde das von der „Arabischen Befreiungsarmee“ in Galiläa besetzte Gebiet erobert und der ganze Norden Israels bis zur internationalen Grenze von feindlichen Truppen befreit. Nachdem der UN-Sicherheitsrat die Krieg führenden Parteien bereits im November zu Verhandlungen aufgefordert hatte, trat am 07. Januar 1949 die Waffenruhe in Kraft. Zwischen 24. Februar und 20. Juli 1949 wurden Waffenstillstandsverträge zwischen Israel und allen beteiligten arabischen Ländern außer dem Irak abgeschlossen; damit war der Krieg beendet.

Der Unabhängigkeitskrieg hatte von Israel nicht nur einen hohen Blutzoll gefordert, er war auch der längste, schwerste und gefährlichste Krieg in seiner Geschichte, denn nur dieses eine Mal war die Existenz des Staates von Anfang an gefährdet. Der junge Staat Israel hatte den ersten von einer Reihe von Kriegen um seine staatliche Existenz gewonnen, gestärkt ging er aus ihm hervor.

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Stand vom: 21.05.2008 | Autor: Michael Berger

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