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Bundeswehr - „Wir. Dienen. Deutschland."

Seit einigen Wochen hat die Bundeswehr ein neues Motto: „Wir. Dienen.Deutschland.“ Mit dieser Kernbotschaft will die Bundeswehr ihr Selbstverständnis in prägnanter Art und Weise zum Ausdruck bringen und nach dem Aussetzen der Pflicht zur Ableistung des Grundwehrdienstes um Nachwuchs werben. In einer eigens für diesen Zweck erstellten Broschüre des Verteidigungsministeriums wird das neue Motto umfassend erläutert. Das „Wir“ soll demnach sowohl für die gelungene Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft stehen als auch für die Kameradschaft der Bundeswehrangehörigen. Mit „Dienen“ wird der Kern der eigenen Identität bezeichnet und zugleich das Versprechen verbunden, Freiheit und Sicherheit zu verteidigen. „Deutschland“ soll für das freie, sichere, lebendige und international verankerte Land stehen, das man zu schützen bereit ist. (4/2011)

Das neue Logo der Bundeswehr

Das neue Logo der Bundeswehr (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Durch eine repräsentative Bevölkerungsbefragung, die das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit TNS-Emnid im Mai/Juni 2011 durchgeführt hat, wurde der neue Slogan getestet: Die Mehrheit der Bundesbürger findet das Motto gut und versteht die beabsichtigte Botschaft, so das zentrale Ergebnis der Studie mit 1.602 zufällig ausgewählten Personen.

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Generelle Bewertung des Mottos „Wir.Dienen.Deutschland.“

Das neue Motto finden insgesamt 70 Prozent der Befragten gut. Darunter sind 18 Prozent, die es für „sehr gut“ und 52 Prozent, die es für „eher gut“ halten. Kritisch bewertet wird es von insgesamt 28 Prozent, davon finden es 23 Prozent „eher schlecht“ und nur fünf „sehr schlecht“ (s. Abb. 1). Die positiven Einschätzungen überwiegen in allen untersuchten Altersgruppen und Bildungsmilieus. Bemerkenswert ist, dass die beste Bewertung von jungen Leuten im Alter von 16 bis 29 Jahren kommt, von denen insgesamt 78 Prozent mit „eher gut“ und „sehr gut“ votieren.

Relativ kritisch äußern sich Befragte mit höherem Bildungsniveau (Fachhochschul- oder Hochschulreife), von denen insgesamt 40 Prozent diesen Leitsatz mehr oder weniger schlecht finden (s. Abb. 2). Die Bewertung wird auch von der generellen Haltung zur Bundeswehr beeinflusst. Von den 75 Prozent der Befragten, die eine positive Einstellung zu den Streitkräften haben, finden insgesamt 80 Prozent das Motto gut. Von den 21 Prozent der Studienteilnehmer, die eine negative Einstellung haben, sind es alles in allem nur 39 Prozent. Ein signifikanter Zusammenhang besteht auch zwischen der Bewertung und der Parteineigung. Besonders gut kommt die For-mulierung bei den Anhängern der Unionsparteien an, während es von den Sympathisanten der Grünen kritischer betrachtet wird.

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Grafik zum Thema Persönliche Assoziationen zum Begriff „Dienen“

Persönliche Assoziationen zum Begriff „Dienen“ (Quelle: if/Beu)Größere Abbildung anzeigen

Warum das neue Motto gefällt

Als Grund für ihr positives Votum geben die Betreffenden vor allem an, dass es den Auftrag und das Selbstverständnis der Streitkräfte zutreffend und glaubwürdig auf den Punkt bringt: Die Bundeswehr sei für die Menschen da beziehungsweise der Auftrag der Bundeswehr, dem Land zu dienen, würde zutreffend beschrieben (36 und 23 Prozent). Neben unspezifischen Positivkommentaren (11 Prozent) lege das Motto Verteidigungsbereitschaft, Schutz oder Sicherheit (10, 8 und 5 Prozent) nahe. Die folgenden Zitate geben einen Eindruck vom Antwortverhalten auf die Frage, warum man diese neue Maxime gut findet:

- „Weil es einfach stimmt“
– „Weil es ein Dienst fürs Vaterland ist“
– „Deutschland ist unser Heimatland und dafür ist die Bundeswehr schließlich da, zur Verteidigung“
– „Es ist kurz und eindeutig. Deutschland braucht die Bundeswehr hört man da raus“
– „Weil es stimmt!“
– „Weil es ja eigentlich die Pflicht der Bundeswehr ist“
– „Weil es deutlich macht, dass die Bundeswehr nicht Selbstzweck ist“
– „Weil ich glaube, dass es genau den Auftrag beschreibt, und wirklich die Aufgabe der Männer und Frauen ist, Deutschland zu dienen“
– Die Bundeswehr ist für unser Land im Einsatz“
– „Es wird dadurch alles zum Ausdruck gebracht: Die sind für unseren Schutz da“
– „Weil es für unser Land ist, weil wir darauf stolz sein können“.

Insgesamt zeigen diese Äußerungen, dass die mit der neuen Maxime intendierte Botschaft von der Mehrheit verstanden wird.

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Grafik zum Thema Einschätzung zum Motto „Wir.Dienen.Deutschland.“

Einschätzung zum Motto „Wir.Dienen.Deutschland.“ (Quelle: if/Beu)Größere Abbildung anzeigen

Warum das Motto nicht gefällt

Von den 28 Prozent der Kritiker, meinen 41 Prozent, dass die Bundeswehr aufgrund der zahlreichen Auslandseinsätze nicht allein Deutschland dienen würde, und das Motto den Realitäten einer Einsatzarmee nicht gerecht werde. Weitere elf Prozent halten es generell für unpassend. Neben unspezifischen Kritiken an der Formulierung und an der Bundeswehr selbst (14 und 10 Prozent) beanstandeten einige die Worte „Dienen“ und „Deutschland“ (12 und 2 Prozent). Das Antwortspektrum auf die Frage, warum die Kritiker das Motto schlecht finden, ist breit:

- „Weil sie ja nicht nur Deutschland dienen“
– „Wenn die nach Afghanistan gehen, dann frage ich mich, was das mit Deutschland zu tun hat“
– „Weil ich meine, dass sie bei Auslandseinsätzen, wie zum Beispiel in Afghanistan, nichts zu suchen hat“
– „Sollen für Deutschland da sein und nicht für’s Ausland“
– „Weil die im Notfall nicht Deutschland dienen“
– „Die tun mehr für andere als für uns“
– „Das Motto ist zu pathetisch“
– „Weil ich etwas gegen ‚Dienen‘ habe“
– Weil das nicht mehr zeitgemäß ist“
– „Weil die Bundeswehr nicht mehr ihrem ursprünglichen Auftrag, also der Verteidigung des Landes dient, sondern als internationale Einsatz- beziehungsweise Kampftruppe dienen soll.“

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Passung zur Bundeswehr

Ob die Kernbotschaft „Wir.Dienen.Deutschland.“ geeignet ist, das Selbstverständnis der Bundeswehr in Kurzform nachhaltig zu vermitteln, ist nicht allein davon abhängig, ob sie einer Mehrheit gefällt oder nicht. Nur wenn die Befragten den Eindruck haben, dass dieser Satz zur Bundeswehr passt, werden sie ihn auch in positiver Art und Weise mit der Bundeswehr assoziieren („Markenpassung“). Die Antworten auf eine entsprechende Frage fallen eindeutig aus: 71 Prozent finden das neue Motto passend zur Bundeswehr, 27 Prozent nicht. Von denen die meinen, dieser Slogan passe nicht, gibt fast jeder Zweite an, dass die Bundeswehr in Anbetracht der Auslandseinsätze nicht nur Deutschland dienen würde (48 Prozent). Andere halten ihn grundsätzlich für falsch, kritisieren das Wort „Dienen“ oder stören sich an der Formulierung (10, 11 und 6 Prozent).

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Grafik zum Thema Einschätzung der Bevölkerung zum Motto „Wir.Dienen.Deutschland.“

Einschätzung der Bevölkerung zum Motto „Wir.Dienen.Deutschland.“ (Quelle: if/Beu)Größere Abbildung anzeigen

Assoziationen mit dem Begriff „Dienen“.

Soldaten sprechen in der Regel ganz selbstverständlich vom „Dienen“. In der Alltagssprache der meisten Bundesbürger kommt dieses Wort dagegen eher selten vor. Daher stellt sich die Frage, was die Befragten mit dem Begriff verbinden. Mit dem Wort „Dienen“ werden überwiegend positive Assoziationen geweckt. „Dienen“ heißt für viele Befragte, auf einer ganz persönlichen Ebene anderen Menschen zu helfen, sie zu unterstützen und für andere da zu sein (25 Prozent). Für etwa ebenso viele bedeutet es, für das Vaterland beziehungsweise für Deutschland da zu sein (22 Prozent). Verbunden wird dieses Wort auch mit Begriffen wie Loyalität, Treue und Verpflichtung sowie Selbstlosigkeit und Demut (5 und 4 Prozent).

„Dienen“ ist jedoch nicht nur positiv besetzt: Einige Befragte verbinden damit auch Unterwürfigkeit, Gehorsam und das Befolgen von Befehlen. Bemerkenswert ist, dass nur einzelne Befragte spontan sagen, der Begriff sei veraltet, und dass nur jedem Zehnten nichts zu diesem Wort einfällt (s. Abb. 3). Die Antworten von jüngeren und älteren Befragten unterscheiden sich in einigen Punkten deutlich. Für die Jüngeren (16 bis 29 Jahre) bedeutet „Dienen“ häufiger für andere Menschen da zu sein, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen (32 Prozent). Für die Gesellschaft, für das Vaterland da zu sein, spielt dagegen eine wesentlich geringere Rolle (19 Prozent). Bei den Älteren sind zwischenmenschliche Bedeutung und gesellschaftliche Relevanz etwa gleich stark ausgeprägt (21 und 23 Prozent). Zudem assoziieren Jüngere häufiger Unterwürfigkeit und Gehorsam mit dem Begrifff als Ältere (20 und 9 Prozent).

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Bereitschaft zum Freiwilligen Wehrdienst

Im Juli 2011 haben die ersten rund 3.500 Freiwillig Wehrdienstleistenden ihren Dienst in den Streitkräften angetreten. Die Resonanz ist damit um einiges größer als erwartet. Ob der Freiwillige Wehrdienst auch auf Dauer zu einem Erfolg wird, ist jedoch noch nicht endgültig abzusehen. Dies hängt davon ab, inwieweit es gelingt, den Dienst attraktiv zu gestalten. Grundsätzlich ist die Bereitschaft vieler Jugendlicher gegeben. Etwa jeder dritte Befragte (36 Prozent) im Alter von 16 bis 29 Jahren ist hierzu bereit (43 Prozent junge Männer, 29 junge Frauen). Hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein ausgeprägtes Interesse oder eine definitive Bewerbungsabsicht, sondern um eine grundsätzlich positive Grundhaltung.

Ob sich Jugendliche letztlich tatsächlich für den Freiwilligen Wehrdienst entscheiden, ist auch von der Haltung des sozialen Umfelds abhängig. Von den Befragten im Alter von 30 und mehr Jahren meinen 46 Prozent, dass sie einem Familienangehörigen oder Freund dazu raten würden; jeder Zweite würde davon abraten. Bei den Männern liegt der Anteil der Befürworter (50 Prozent) hier etwas höher (43 Prozent Frauen). Zwischen der Bewertung des neuen Mottos der Bundeswehr und der Haltung zum Freiwilligen Wehrdienst besteht ein signifikanter Zusammenhang: Von denen, die das Motto gut finden, sind 50 Prozent bereit, Freiwilligen Wehrdienst zu leisten, oder würden einem Familienangehörigen oder Freund dazu raten. Bei den Kritikern des Mottos hingegen liegt der entsprechende Wert nur bei 20 Prozent.

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Fazit

Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger findet das neue Motto gut und versteht die Botschaft. Mit dem Begriff „Dienen“ werden überwiegend positive Assoziationen geweckt. Ein großer Teil der Befragten unterstützt den Freiwilligen Wehrdienst, indem man dies sich entweder für sich selber vorstellen kann oder aber anderen diesen Dienst zu empfehlen. Jedoch finden viele das Motto lediglich „eher gut“ und einem Viertel der Befragten, darunter vielen besser Gebildeten, gefällt es nicht. Daraus ergeben sich einige konkrete Ansatzpunkte für die weitere Kommunikationsarbeit der Bundeswehr: Ziel sollte es nicht nur sein, dieses Motto in der Bevölkerung bekannt zu machen, sondern durch die Verknüpfung mit entsprechenden Inhalten noch mehr Verständnis und Akzeptanz zu erreichen. Die Ergebnisse sprechen auch dafür, es bei der Werbung für den Freiwilligen Wehrdienst einzusetzen.

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Stand vom: 04.12.13 | Autor: Thomas Bulmahn


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