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Die Wiederkehr des kleinen Krieges – Trenck und seine Panduren 1740-1748

Der junge König Friedrich II. von Preußen sorgte als Feldherr ungewollt für das Einströmen einer neuen Kampfart nach Mitteleuropa. Am 16. Dezember 1740 fiel der König mit seinen Truppen in das zu Österreich gehörende Herzogtum Schlesien ein, zwei Wochen später standen die Preußen in Breslau. Die habsburgische Herscherin Maria Theresia war nun gezwungen, sich in massiver Weise auf ihre Untertanen aus Ungarn sowie dem Gebiet der „Militärgrenze“ zu stützen, um den Angriff abzuwehren.

Von den 110.000 Mann, die um 1740 in habsburgischen Diensten standen, kamen 45.000 aus diesen Gebieten, das waren rund 40 Prozent der Gesamtstärke. Parallel zum Einmarsch preußischer Truppen in die Habsburgermonarchie strömte also nun ein ziemlich unpreußischer Kämpfertyp in großer Zahl nach Mitteleuropa. Der Krieg erhielt nun für ein Vierteljahrhundert ein doppeltes Gesicht. Neben den großen Landschlachten bestimmte der so genannte „kleine Krieg“ und die mit ihm untrennbar verbundenen leichten Truppen das Geschehen außerhalb der großen Lager und Schlachten.

Auch im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, war der Krieg ein brutales Geschäft. Brutal war der Krieg trotz der Normen, die eine Trennung von „Militär“ und „Zivil“ proklamierten, dort, wo die Bevölkerung unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein Geschäft war der Krieg im 18. Jahrhundert dort, wo sich die Staatsgewalt noch kein Gestaltungsmonopol über die Regelung der Kriegführung in taktischer, personeller und logistischer Hinsicht erkämpft hatte.

Dies war im kleinen Krieg der Fall. Bei den leichten Truppen handelte es sich zunächst in aller Regel um angeworbene Freitruppen, denen disziplinar nur schwer beizukommen war, deren Kampfweise außerhalb der im 18. Jahrhundert üblichen Konventionen verlief und deren Logistik noch keineswegs einer geordneten Magazinversorgung unterworfen war. Mangels Alternative, aber auch um die Löhnung aufzubessern, wurde gebrandschatzt, erpresst und Beute gemacht. Im Österreichischen Erbfolgekrieg 1740-1749 erwarben sich vor allem die ungarischen Husaren und die in österreichischen Diensten stehenden „Grenzer“ einen nachhaltig negativen Ruf.

Unter ihnen fiel Freiherr Franz von der Trenck und seine „Panduren“ in einer Weise auf, die weit über seine militärische Bedeutung hinausging. Trenck führte nur einen Verband von mehreren dieser Freitruppen, die infolge des 1740 von Preußen entfesselten Krieges an der österreichischen Militärgrenze im heutigen Kroatien ausgehoben worden waren.

Er war gleichwohl der berüchtigtste Vertreter seiner Gattung. Gehörte er doch zu jenen „Parteigängern“, die den kleinen Krieg mit irregulären und taktisch selbständigen Truppenkörpern führten. Da die auf geschlossene Standhaftigkeit und Feuerkraft optimierten regulären Linientruppen in schwierigem Gelände und bei (modern gesprochen) „besonderen Gefechtshandlungen“ wie Handstreichen, Überfällen, Hinterhalten nur bedingt zu gebrauchen waren, wurden hierfür „leichte Truppen“ benötigt.

Auch gehörte das, was in den modernen Armeen als „allgemeine Aufgaben im Einsatz“ bezeichnet wird, eben nicht zum „allgemeinen“ Fähigkeitsprofil der regulären Soldaten des 18. Jahrhunderts. Die Lagersicherung, Feindaufklärung und die Erkundung des – damals ungleich unwegsameren und bevölkerungsärmeren – Geländes war ebenfalls Aufgabe der leichten Truppen. Diese Verbände setzten sich zunächst vor allem aus ethnisch geprägten Milizen und Freikorps aus dem europäischen Randbereich zusammen.

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Gemälde von Franz Seraph Baron von der Trenck

Anführer der Freitruppen, der Panduren, war Franz Seraph Baron von der Trenck (Quelle: Bayrisches Armeemuseum, Ingoldstadt)Größere Abbildung anzeigen

Unmensch und tobsinnige Franz von der Trenck

Freiherr Franz von der Trenck, jener „Unmensch und tobsinnige nach Bluth und Gewalt begierige Barbar“ (so eine zeitgenössischen Quelle aus Bayern) ist ein legendärer Archetyp. Seine Biografie ist legendenumrankt und historisch nicht gesichert. Franz Seraph Baron von der Trenck wurde am 1. Januar 1711 in Reggio di Calabria als Spross einer österreichischen (ursprünglich preußischen) Familie geboren. Seine Laufbahn ist typisch für eine Zeit, in der Militärkarrieren noch Elemente des freien Söldnertums aufwiesen.

Nachdem er zunächst in österreichischen Diensten stand, ging er ab 1731 in russische Dienste und nahm dort am Feldzug gegen die Türken teil. Wie eine zeitgenössische Pseudo-Autobiografie berichtet, soll er dort in derber Weise mit der Disziplin und seinen Vorgesetzten in Konflikt geraten sein und zog sich danach wieder auf seine Güter in Slawonien (im Osten des heutigen Kroatiens) zurück.

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Über Wien nach Schlesien

Zwei Monate nach dem preußischen Überfall warb Trenck ein Freikorps von 1.000 slawonischen „Panduren“ an. Im Frühjahr 1741, bei seinem Marsch über Wien nach Schlesien, erregten diese Kämpfer wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens und ihrer „türkischen Musik“ großes Aufsehen. Zwar hatte es schon vorher irreguläre Truppen und Freikorps gegeben, doch die Masse dieser Truppen, ihr Aussehen und ihre unkonventionelle Verfahrensweise mit Feind und Land machten diese Truppen und insbesondere Trencks Panduren schnell berühmt-berüchtigt.

Ein Zeitzeuge berichtete, dass Trencks Truppe von „Panduren, Kroaten, Dalmatinern und Warasdinern“ aus „einem so verschiedenen und buntscheckigen Gesindel bestand, dass einer dem andern wohl an Wildheit und Grausamkeit, keineswegs aber an Uniform und Montur glich und mehrere eher Türken als regulären Soldaten gleich sahen.

Einige trugen rote, schwarze und braune Keppichen [Kopfbedeckungen], andere aber hohe schwarze Zschakelhauben [Tschakos] mit links herabhängenden Seitenflügeln. Auch hatten sie rote, schwarze, braune und blaue Mäntel an, fast alle aber [...] nur nackte Füße mit Sandalen [...] Der Leib war mit einer Schärpe, worin zwei Pistolen und zwei große Mordmesser steckten, umgürtet; auf der linken Seite hing eine mehr einem breiten Henkersschwert als einem militärischen Säbel ähnliche Waffe und eine Patronentasche, und mit der rechten Hand hielten sie ein langes Schießgewehr, welches unten beim Schloß wie ein Viehhorn gekrümmt war.

Ihre Arme aber, sowie auch ihre Brust und der Hals waren ganz entblößt [...] Ihr Haupthaar war ganz abgeschoren und nur an dem hinteren Kopfscheitel trugen sie ein kleines Zöpfel wie die Türken, dann häufig ein solches Zöpfel über einem oder beiden Ohren nebst formidablem Schnurrbarte; kurz, sie hatten ein äußerst wildes und fürchterliches Aussehen.“

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Arrest auf dem Kriegsschauplatz

Zunächst dauerte Trencks Einsatz für ihn selbst nur zwei Monate, denn bereits kurz nach seinem Erscheinen auf dem Kriegsschauplatz erhielt er Arrest. Der Grund für diesen Konflikt verweist auf einen prinzipiellen Aspekt der gekauften Sicherheit im 18. Jahrhundert. Hierfür ist das „Werbpatent“ Trencks vom 27. Februar 1741 aufschlussreich.

Es war dies der vertragliche Modus, nach dem der Freiherr gewissermaßen als Kriegs-Subunternehmer die Anwerbung der Panduren vornehmen konnte. Er hatte im Königreich Slawonien und ostwärts davon, in Syrmien (heute Nordserbien), „1.000 wehrhaffte Mann schleunig aufzubringen“ und nach Schlesien zu führen. Innerhalb von drei Wochen sollten sich Freiwillige in Esseg (= Ossijek) sammeln. Bei den Angeworbenen handelte es sich um Männer verschiedenartiger Herkunft. Die Existenz zweier Kaplane katholischer undgriechisch-orthodoxer Konfession belegen, dass es sich – nach heutiger Begrifflichkeit – sowohl um „Kroaten“ als auch um „Serben“ handelte.

Das Werbepatent führte als mögliche Anwerbekandidaten auch „pardonirte Räuber“ auf. Hierzu gehörten offenbar solche, die bisher als Wegelagerer aus Bosnien heraus ihr Unwesen getrieben hatten und dabei in österreichische Gefangenschaft geraten waren. Die Angeworbenen sollten in ihrer eigenen „raizischen“ Montur erscheinen und erhielten von der Habsburgerkrone ein tägliches Verpflegungsgeld. Auch Zeltmaterial wurde ihnen auf Staatskosten zugestanden.

Unmittelbar nach diesen Ausführungen zur Truppenversorgung enthielt das Werbepatent jedoch die Warnung, dass sich die Angeworbenen „aller Excesse“ zu enthalten hätten. Allerdings wurde ihnen zugestanden, dass sie alle vom Feind gemachte Beute und sogar den Proviant, welchen sie im Feindesland „erobern“ ihnen „eigentumblich verbleibe“. Nur feindliche Kriegsfahnen, Kassen und Geschütze sollten an die Staatskasse abgeliefert werden. Ausdrücklich sollten dabei die Landeseinwohner geschont werden.

In wie weit dieses zu bewerkstelligen und vor allem zu kontrollieren war, stand auf einem anderen Blatt. Prinzipiell erhielten diese Männer jedoch keinen regelmäßigen Sold, nur eine Werbeprämie und Kostgeld. Somit waren sie im Wortsinne keine „Soldaten“. Die Neigung, sich materiell anderweitig „abzusichern“ entsprang also in gewisser Weise der inneren Logik ihres Vertrages.

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Gemälde von König Freidrich

König Freidrich II von Preußen rückte im Dezember 1740 in das Herzogtum Schlesien ein (Quelle: Deutsches Historisches Museum)Größere Abbildung anzeigen

Entsetzliche Szenen in der schlesischen Stadt Zobten

Eine erste Probe ihres Einsatzwertes wie ihrer Grausamkeit gaben Trencks Männer am 30. Juli 1741. Beim Sturm der schlesischen Stadt Zobten warfen sie ein preußisches Bataillon; „und weil sie nicht in Reih’ und Glied marschierten, so konnten sie mit ihren Büchsen den Grenadiers mehr Schaden thun als jene ihnen mit ihren Peloton-Feuer“, so ein zeitgenössischer Prediger als Zeuge.

Dem selben Gewährsmann zufolge spielten sich daraufhin entsetzliche Szenen ab: Neben der üblichen Plünderung verstümmelten sie preußische Gefangene durch Abschneiden von Zunge oder Fingern; mit den Worten „Ihr seid Canaillen und habt mit den Ketzern, den Preußen gehurt“ schnitten sie vielen Frauen die Brüste ab. Es waren solche Szenen, die sich an die historische Erinnerung der leichten irregulären Truppen der Habsburgermonarchin hefteten. Sie verdeutlichen, dass auch im Zeitalter der Aufklärung der Krieg nach wie vor gnadenlos geführt wurde, ganz im Gegensatz zu Gerhard Ritters Vorstellung einer „gezähmten Bellona“.

Wo die Truppe nicht im Feldlager verblieb, oder sich ausschließlich in Feldschlachten schlug, sondern im Rahmen des kleinen Krieges mit der Bevölkerung in Berührung trat, da blieb die Kriegsgöttin ihrer Wildheit nicht entkleidet. Zumindest die oben geschilderten Exzesse hatte Trenck wohl nicht mehr in direkter Weise zu verantworten. Denn bereits eine Woche vorher hatte er eine scharfe Abmahnung des österreichischen Befehlshabers und Generalfeldmarschalls Wilhelm Reinhard Grafen von Neipperg erhalten und war abgelöst worden.

Die Vorwürfe lauteten: Nichterfüllung des Auftrages, Unterschlagung, Begehung oder Duldung von Ausschreitungen auf der einen Seite, willkürliche Behandlung von Untergebenen auf der anderen. Allerdings erhielt Trenck bald darauf sein Kommando zurück und bewährte sich in den folgenden Jahren in Süddeutschland unter dem Kommando des ihm wohlgesonnenen Feldmarschalls Khevenhüller.

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Gemälde von Kaiserin Maria Theresia

Die gegenspielerin von König Friedrich im Schlesischen Krieg war Kaiserin Maria Theresia von Östereich (Quelle: Deutsches Historisches Museum)Größere Abbildung anzeigen

Ausschreitungen in der Oberpfalz

Neben Erfolgen im Einsatz kam es auch auf dem bayerischen Kriegsschauplatz bald zu Ausschreitungen. Am 9. September 1742 wurde die Stadt Cham in der Oberpfalz belagert, erobert, eingeäschert und neun Tage lang geplündert, was in der zeitgenössischen Presse und Öffentlichkeit ein großes Aufsehen erregte.

Der Baron Franz von der Trenck bleibt eine legendäre Gestalt. In der Gestalt des Pandurenführers begegnet uns indessen nicht nur ein Einzelschicksal, sondern auch ein grundsätzliches Problem des freien oder halb-staatlichen Söldnertums. Der Preis, den die durch Söldner erkaufte Sicherheit mit sich brachte, spiegelt sich nicht nur in Trencks sagenhaften Taten, sondern auch in aktenkundig greifbaren Prozessakten.

Nachdem Trenck seine Schuldigkeit im Felde getan hatte, wurde er nach Ende des Krieges 1748 erneut vor Gericht gezogen und schließlich verurteilt. Er fand bereits im Jahr 1749 sein Ende auf der Festung Spielberg über Olmütz - physisch, psychisch und finanziell ruiniert.

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Leichte und schnelle Anwerbung

Hier zeigten sich deutlich die Vorteile, Nachteile, Chancen und Risiken, die der Einsatz frei geworbener Truppen hatte. Hinsichtlich der Rekrutierung des Personals ergab sich eine leichte und schnelle Anwerbung. Der Preis der schnellen Mobilisierung bestand freilich in der oft mangelhaften Zuverlässigkeit dieser Leute. In der Kampfweise des kleinen Krieges waren aufgrund der sehr eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten der damaligen Zeit im Einsatz sowohl überraschende Initiative als auch Mangel an Kontrollierbarkeit der kämpfenden Truppe verbunden.

Die Exzesse gegen die Zivilbevölkerung waren sowohl ein Problem der Einsatzführung wie der Logistik. Letztere konnte zum großen Teil nur „aus dem Lande“ erfolgen, mit allen brutalen Folgen für die Bevölkerung. Hieran knüpft sich das Problem der Unterschlagung. Oft bekam der Militärunternehmer von seiner Auftraggeberin, der Krone, weniger als er benötigte. Umgekehrt erhielt diese nicht das an Einsatzleistung, was sie forderte.

Somit war es ein ständiges Problem prinzipieller Art, die gegenseitig zwischen Auftraggeber und -nehmer vereinbarten Leistungen zu erbringen und die erhaltenen Leistungen zu überprüfen. Dieses Spannungsverhältnis bestand nicht nur für Maria Theresias Feldherrn und auch nicht nur im 18. Jahrhundert, sondern es besteht prinzipell beim Einsatz von „externen Sicherheitsdienstleistern“, von Söldnern. Diese Probleme vor Augen, bemühten sich die Herrscher des 18. Jahrhunderts alle Kräfte zur Wahrung der inneren und äußeren Sicherheit fest der Staatsgewalt zu unterwerfen.

Der jahrhundertelange Prozess der Regulierung des Krieges manifestiert sich in Trencks Schicksal. Nicht das freie Söldnertum, sondern der Unterhalt stehender Truppen war die Tendenz, die im 18. Jahrhundert zur Regel und bald darauf zur nicht mehr hinterfragten Norm avancierte. Im Zeitalter des Absolutismus wurde das Gewaltmonopol des Herrschers nicht mehr nur beansprucht, sondern sukzessive auch de facto durchgesetzt; dieser Prozess war freilich langwierig. Unabdingbares Mittel dazu war ein stehendes Heer, eine ständig präsente, disziplinierte, regelmäßig entlohnte Truppe, die nur ihrem Herrscher verpflichtet war.

Die Disziplinierung zeigte sich in Uniform, Ausbildung und Habitus. Nicht mehr der archaische Kämpfertyp war gefragt, sondern der disziplinierte Soldat. Immer mehr wurde die Ausbildung durch Vorschriften und einen straffen Dienstablauf geregelt. Ermöglicht wurde dies alles durch den Ausbau der staatlichen Infrastruktur, vor allem des Steuerstaates. Nur eine ausgebaute Verwaltung ermöglichte regelmäßige Löhnung und Verpflegung der Truppe.

Zwar verschwanden die Brandschatzungen im Kriege auch in der Folgezeit nicht, doch wurden sie zunehmend durch eine zentral gesteuerte Kriegsadministration abgelöst, die die Bevölkerung des eigenen Landes wie die des Kriegsschauplatzes weit rationeller zur Aufbringung von Sonderlasten zwang als jeder auf sich gestellte Parteigänger.

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Gemälde von Franz Seraph Baron von der Trenck im Feld

Franz Seraph Baron von der Trenck (Quelle: www.historischer-service.de)Größere Abbildung anzeigen

Vom kleine Krieg zum 1. Weltkrieg

Der kleine Krieg wurde in der Folgezeit teils in die reguläre Taktik integriert, teils vergessen. Im Unterschied zu Trencks Freikorps, aber auch im Gegensatz zu den Vorläufern ihrer eigenen Gattung genossen auch die leichten Truppen seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine zunehmend geregelte Ausbildung und dienten nun in regulären Regimentern.

Manchmal handelte es sich hierbei um ehemalige Freitruppen. So geschah es auch mit dem Trenckschen Freikorps, das 1743 zum 53. Linien-Infanterieregiment der habsburgischen Krone aufstieg und bis zum Ersten Weltkrieg bestand. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung spiegelt dies den Gesamtprozess im Zeitalter des Absolutismus wider: Einst freie Truppen, die nur dem Kriegsunternehmer verpflichtet waren, der sie angeworben hatte, wurden nun „auf stehenden Fuß“ gesetzt: Die Truppe gehörte nun nur noch dem Fürsten. Zusammen mit dem Verwaltungsapparat wurde sie wesentliche Stütze, aber eben auch Erzeugnis des sich ausbildenden Staates.

Trenck war ein Epigone. Er gehörte zu den letzten Führern von Freitruppen, die wirklich „frei“ agierten – mit dem entsprechendem Risiko ungezügelter Wildheit. Rund zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen, im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) erlebten die Freitruppen erneut eine hohe Zeit, vor allem in der zweiten Hälfte des Konfliktes. Spätestens danach besaß jedoch der Staat das Monopol auf Kriegführung.

Bleibt der Typus der regulären Armee im 21. Jahrhundert die Regel? Seit dem Ende des Kalten Krieges nehmen Söldner und irreguläre Milizen einen zunehmenden Raum im Sicherheitsportfolio kriegführender Staaten, Organisationen oder Warlords ein. Bei allen offenkundigen Unterschieden gibt es doch so manche Ähnlichkeit mit dem 18. Jahrhundert. So verkörpert der berüchtigte Baron Franz von der Trenck den Archetyp eines archaischen Kämpfers im kleinen Krieg, mit allen Chancen, Risiken und Nebenwirkungen.

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Zum Beitrag

Autor:
Dr. Martin Rink
, Jahrgang 1966, Major d. R., ist Historiker und Online-Redakteur in Potsdam. Mitherausgeber des Sammelbandes: „Entschieden für Frieden - 50 Jahre Bundeswehr“ im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes.

Zusammenfassung:
Freiherr Franz von der Trenck und seine Panduren haben schon immer zu Theater- und Filmstoff angeregt. In der Kriegsgeschichte lernen wir ihn jedoch als „Guerillaführer“ und Söldner neu kennen. Kaiserin Maria Theresia von Österreich holte ihn und seine Truppe im Siebenjährigen Krieg gegen Preußen zu Hilfe. Seitdem bestimmte neben den großen Landschlachten der kleine Krieg das Geschehen außerhalb der großen Heerlager und Schlachten. Die Panduren waren angeworbene Freischärler, oft undiszipliniert, ohne logistische Magazinversorgung und mit einer für die damalige Zeit unorthodoxen Kampfweise. Es wurde gebrandschatzt, erpresst und Beute gemacht. Trencks Leute stammten aus Kroatien, er selbst hatte seine Güter in Slawonien. Die buntgekleidete Truppe wurde schnell berühmt-berüchtigt. Nachdem Trenck seine Schuldigkeit im Felde getan hatte, fiel er in Ungnade und wurde in Festungshaft genommen.

Literatur:
Anonym
, Merckwürdiges Leben und Thaten des weltberühmten Herrn Francisci Freyherrn von Trenck, Zweyter Theil, Frankfurt am Main und Leipzig 1747.

Direction des k. und k. Kriegs-Archivs (Hrsg.), Oesterreichischer Erbfolgekrieg 1740-1748, Bd. II, Wien 1896 Jürgen Kloosterhuis, Zwischen Schwert und Pflugschar. Ausgewählter Nachdruck der „Atzendorfer Chronik“, Paderborn 1989.

Martin Rink, Vom „Partheygänger“ zum Partisanen. Die Konzeption des kleinen Krieges in Preußen 1740- 1813, in: Europäische Hochschulschriften, Reihe III Bd. 85, Frankfurt am Main 1999.

Hugo von Walderdorff, Joseph Rudolph Schueggraf, der verdiente bayerische Geschichtsforscher. Ein Lebensbild. Mit Nachrichten über den österreichischen Erbfolgekrieg und die französischen Kriege, in: Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, Bd. 27, Stadtamhof 1871.

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Stand vom: 04.12.13 | Autor: Martin Rink


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