Den Lernenden mitnehmen
Die Aufgaben der Angehörigen der Bundeswehr - nicht zuletzt im Einsatz - werden immer anspruchsvoller. Ausbildung hilft, sie zu bewältigen. Technologie unterstützt diese Ausbildung. Dazu bedarf es einer erhöhten Bereitschaft zum Umgang mit der Technik, einer Ausbildung an der Technik und einer „mitwachsenden“ medialen Kompetenz. (2/2009)

Ausbildung ist ein Gestaltungsfeld der Inneren Führung. Diese bestimmt die Gesamtheit von Führung, Erziehung und Ausbildung. Ausbildung steht in Zeiten der Transformation aufgrund der Einsatzaufträge „nach außen“ und gleichzeitigen starken Veränderungen „nach innen“ vor einer doppelten Herausforderung. Ausbildung hat einerseits die Aufgabe, Führer und Geführte weltweit, schnell und bedarfsgerecht für das zu qualifizieren, was zur Erfüllung der Einsatzaufgaben nötig ist. Sie befähigt die Angehörigen der Bundeswehr dazu, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, eine stetig steigende Zahl an Fakten zu logischen Schlüssen zu verbinden, tragfähige Lösungen unter Zeitdruck und bei oft unvollständiger Informationslage zu erarbeiten und diese in „unübersichtlichen“ Strukturen häufig „verantwortungsbereichsübergreifend“ umzusetzen.
Ausbildung muss andererseits – gerade vor dem Hintergrund hoher personeller Fluktuation – so konzipiert sein, dass sie den Lerner „mitnimmt“ und ihn von der Richtigkeit gewählter strategischer Ansätze (wie beispielsweise der Einführung von SASPF) überzeugt. Dabei kommt es darauf an, als fachlich zielführend erkannte Lösungswege konsequent weiterzuverfolgen.
Im Sinne der Transformation...
...heißt das, Zwischenschritte im Zusammenspiel mit den fachlich zuständigen Stellen „qualitätsgesichert“ zur Basis des weiteren Handelns der/des Auszubildenden zu machen. Nur wenn das gelingt, erfüllt Ausbildung ihre für die Transformation der Bundeswehr wichtige Aufgabe eines „gelebten Veränderungsmanagements“! Um diese Aufgabenfülle bewältigen zu können, bedarf es einer umfassenden technologischen Unterstützung der Ausbildung. Hier kommen Schlagworte wie Ausbildungssteuerung, Wissensmanagement, Talentmanagement und e-learning ins Spiel. Ausbildung wird einerseits erst durch Technik in die Lage versetzt, Bedarf effizient zu decken, Inhalte IT-gestützt bereitzustellen, zeit- und ortsunabhängige Ausbildungsangebote zu machen und Ausbildungswissen datenbankgestützt „auszutauschen“. Zugleich bedarf es andererseits der erhöhten Bereitschaft zum Umgang mit der Technik, einer Ausbildung an der Technik und einer „mitwachsenden“ medialen Kompetenz von Führern und Geführten. Beiden Herausforderungen gilt es zu begegnen, um Ausbildung wirkungsvoll mit Technologie zu unterstützen und Synergien im, für und durch das Aufgabenfeld Ausbildung voll auszuschöpfen. Wie geht die Bundeswehr unter den Vorzeichen der Inneren Führung diese grundlegenden Herausforderungen an?
Ausbildung setzt heute...
...auf einen verstärkten Einsatz von Informations-, Kommunikations- und originärer Ausbildungstechnologie (z.B. Whiteboards), kurz „Moderne Ausbildungstechnologie (MAT)“ genannt. Das didaktische Konzept dazu ist in der „Rahmenweisung für die Fernausbildung in der Bundeswehr“ festgelegt. Diese enthält verbindliche Vorgaben des Generalinspekteurs der Bundeswehr zum Einsatz technologiegestützter Ausbildungsverfahren. Die Fernausbildung ist konzipiert, die herkömmliche Ausbildung mittels Nutzung Moderner Ausbildungstechnologie zu unterstützen, zu ergänzen und/oder örtlich und zeitlich zu flexibilisieren. Sie bietet die Möglichkeit, Ausbildung stärker als bisher auf die Erfordernisse des Einsatzes auszurichten und Einsatzerfahrungen schnellstmöglich wieder in den Kreislauf der Ausbildung einzubringen. Fernausbildung wird begleitet und unterstützt von erfahrenen Ausbildern, den Teletutoren, die den Lerner nicht allein lassen und mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Sie erzeugt „Netzwerke“, die mit ihrem Expertenwissen helfen, Einsätze erfolgreicher zu bestehen und notfalls auch von der Heimat aus fachlichen Rat im Einsatz geben können. Fernausbildung ist grundsätzlich praxis- und handlungsorientiert. Sie nutzt wo immer es geht konkrete Fallbeispiele „aus der Praxis“ und verlangt ein „Probehandeln“, mit dem das erworbene Können vor dem „scharfen“ Einsatz anhand konkreter Einsatzerfahrungen überprüft und gegebenenfalls noch vertieft werden kann. Hierbei kommen verstärkt auch Simulationsanteile zum Einsatz, die eine große Realitätsnähe in der Ausbildung erzeugen, aber ihre Grenzen in der Inneren Führung finden. Begünstigt wird diese Tendenz durch die fortschreitende Miniaturisierung im Bereich der Ausbildungsmittel/- hilfsmittel.

Fernausbildung ist die „maßgeschneiderte“ Antwort...
...der Ausbildung auf wesentliche Herausforderungen der neuen Einsätze. Sie unterstützt die Forderungen der Inneren Führung gemäß ZDV 10/1 nach Förderung von Bildung und Persönlichkeitsentwicklung wirkungsvoll: Sie gibt Sicherheit im Handeln (Ziffer 505), befähigt zu fachlicher Expertise und zielt darauf ab, die Lernwilligkeit zu erhöhen (Ziffer 507). Fernausbildung trägt zu einer sinnvollen Dienstgestaltung und fordernden Ausbildung bei und fördert Eigenständigkeit der Lerner (Ziffer 643). Vorhandene Qualifikationen werden von ihr mit einbezogen, gefördert und genutzt (Ziffer 645). Planung und Gestaltung technologiegestützter Ausbildung fordert und fördert aktive Mitarbeit und das selbständige Handeln der Lerner (Ziffer 646). Fernausbildung ist „Lernen mit Auftrag“. Sie ordnet sich damit in die bewährte Tradition des „Führens mit Auftrag“ ein, deren Dreiklang aus „Vorbildfunktion – Handlungsspielraum – Mitverantwortung“ uneingeschränkt Anwendung in der Bundeswehr findet. Beispiel in Verhalten und Vorangehen ist dabei genau so wichtig wie Vertrauen gegenüber den Geführten und die Gewährung von Handlungsspielräumen, Mitwirkung und Mitverantwortung für ein gemeinsames Ziel.
Handlungsspielräume hat in der heutigen Zeit aber nur, wer genügend, teils sehr spezifische, Qualifikationen besitzt, sich in der Komplexität der Daten, Zusammenhänge, Projekte und Strukturen zurechtzufinden. Nur wer „durchblickt“, kann auch erfolgreich mitwirken und mitverantworten. Nur wer bereit ist sich selbst in diesem Sinne weiterzubilden, wer genügend Energie aufbringt, sich häufig auf neue Informationsfelder zu begeben, kann erfolgreich im Sinne der Auftragstaktik agieren. Technologiegestützte Ausbildung bietet die Chance, diese (Zusatz-)Qualifikationen schnell, aktuell, zeitlich und örtlich flexibel zu erwerben und damit den nötigen „Durchblick“ zum Führen mit Auftrag zu gewinnen. Dazu ist es zwingend erforderlich, die Soldatinnen und Soldaten zum selbständigen Handeln im Bereich der Neuen Medien zu befähigen. Medialer Kompetenz kommt daher zukünftig eine Schlüsselrolle zu.
Technologiegestützte Ausbildung...
...eignet sich besonders zur Optimierung der einsatzvorbereitenden und einsatzbegleitenden Ausbildung. Hier kann sie – auch bei sehr spezifischen Einsatzanforderungen – ihre bereits dargestellten Trümpfe ausspielen. In der einsatzvorbereitenden Ausbildung stehen Themenfelder wie „Interkulturelle Kompetenz“ oder „Besonderheiten des Einsatzlandes“ in der „Fernausbildungswürdigkeit“ ganz oben. Hier können die notwendigen Kenntnisse über Politik, Kultur, Sprache, Land und Leute in den Einsatzgebieten maßgeschneidert erworben und datenbankgestützt unter Nutzung von Expertennetzwerken aktuell gehalten werden. Einsatzbegleitend eingesetzt, kann technologiegestützte Ausbildung notwendige Informationen in didaktisch aufbereiteten „Häppchen“ direkt in die Einsatzorte bringen.
Hierzu können aktuelle Erkenntnisse zu Minen oder Giftstoffen ebenso zählen, wie „frische“ Erfahrungen mit der Störbehebung an Waffensystemen (Stichwort Telemaintenance) oder aus dem Bereich der Sanität (Telemedizin). Natürlich haben hierbei die Belange des Einsatzes – etwa bei Nutzung der Übertragungswege – stets Vorrang. Neben diesen unmittelbar einsatzrelevanten Dingen leistet technologiegestützte Ausbildung aber auch einen wichtigen Beitrag zum Gestaltungsfeld Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Ausbildung, insbesondere die Vorund Nachbereitung von Einsätzen, kostet viel Zeit.
Zeit, die für Familie, Partner und Freunde nicht zur Verfügung steht. Hier kann gerade die Fernausbildung mit ihrem Wechsel von Präsenz- und Telearbeitsphasen helfen, Abwesenheitszeiten zu minimieren. Das „Lernen am Arbeitsplatz“ während der Telearbeitsphasen gibt die Möglichkeit, mehr (Frei-)Zeit „am Standort“ zu verbringen. Technologiegestütze Ausbildung erhöht auch die Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr und trägt zu einer ausgewogeneren „Work-Life-Balance“ bei.
Gerade im „Kampf um die Talente“...
...kommt neben einem „passenden“ Qualifizierungsangebot auch der Nutzung moderner Ausbildungsverfahren und -mittel hohe Bedeutung zu. Die junge Zielgruppe ist mit den „Neuen Medien“ aufgewachsen und setzt deren Verfügbarkeit und Nutzung in der eigenen Ausbildung als selbstverständlich voraus. Nur wer hier als „modern“ empfunden wird, kann wichtige Imagepunkte dazugewinnen, die vielleicht den Ausschlag bei der Berufsentscheidung geben. Insgesamt kann durch die zeitliche und örtliche Flexibilisierung der Ausbildung mittels technologiegestützter Ausbildungsverfahren die „Balance“ zwischen Anforderungen des Arbeitsplatzes und Lebensqualität der/des Einzelnen auch in der Bundeswehr verbessert werden. Dies wird im Sinne der Inneren Führung noch verstärkt durch den Ausbau von Angeboten zur Telearbeit, die ja ähnliche technische Anforderungen wie die technologiegestützte Ausbildung an das IT-System der Bundeswehr stellt und den gleichen schnellen Entwicklungszyklen unterliegt. Fazit: Technologiegestützte Ausbildung leistet einen wichtigen Beitrag zur Inneren Führung.
