Der Transformationsprozess der Bundeswehr
Die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr wird wesentlich durch die Qualität ihres Personals bestimmt. Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf die Führungskräfte zu legen, da das Maß, in dem sie in der Lage sind, die komplexen Anforderungen in Einsätzen zu bewältigen, ein entscheidendes Moment dieser Qualität ist. (3-4/2009)

Die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) als die Ausbildungseinrichtung, welche die Verantwortung für die Aus-, Fort- und Weiterbildung bereits berufserfahrener Offiziere für Verwendungen als militärische Führer auf der Ebene von Stabsoffizieren trägt, hat entscheidenden Einfluss auf die Gewährleistung der Qualität der Führungskräfte der Bundeswehr. Um diesen Kernauftrag zu erfüllen, richtet die FüAkBw ihre Lehre am ganzheitlichen Transformationsprozess der Bundeswehr aus und entwickelt sie kontinuierlich weiter. Dadurch wird die Ausbildung auf den Auftrag der Bundeswehr als Ganzes fokussiert und ein stetiger Abgleich mit den Erfordernissen, die eine verbesserte Einsatzorientierung der Streitkräfte an die Qualität ihrer Führungskräfte stellt, gewährleistet.
Mithin folgt der Transformation der Bundeswehr eine Transformation der Lehre an der FüAkBw. Ziel ist und bleibt eine qualitativ hochwertige, zukunftsgerichtete Ausbildung, welche die Offiziere und damit die Bundeswehr insgesamt auf gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen bestmöglich vorbereitet. Ausgangspunkt der Konzeption der Lehre an der FüAkBw sind also die Anforderungen, welche auf die Soldaten im Dienstbetrieb und in Einsätzen zukommen. Sie erwachsen vornehmlich aus der operativen und taktischen Führung von Streitkräften in komplexen Szenarien. Diese Anforderungen sind zugleich Treiber der Transformation. Die gegenwärtigen und aller Voraussicht nach auch zukünftigen hauptsächlichen Herausforderungen sind bestimmt durch Aufgaben aus dem Bereich des Konfliktmanagements und der Krisenbewältigung. Streitkräfte müssen in der Lage sein, ihren Auftrag unter allen Bedingungen, d.h. auch asymmetrischen Bedrohungen zu erfüllen. Unterschiedliche, zunehmend auch nicht-militärische Akteure erweitern das Spektrum möglicher Gegner in einem Einsatz.
Ihnen zu begegnen erfordert die Fähigkeit zu abgestuften (Re-)Aktionen durch die Beherrschung des gesamten Intensitätsspektrums. Gerade das Wirken unterhalb des Waffeneinsatzes erfordert eine enge Zusammenarbeit mit nicht-militärischen Akteuren, sowohl anderer staatlicher Ressorts als auch nicht-staatlicher Organisationen. Daher bedarf der Einsatz von Streitkräften einer kohärenten Abstimmung mit verschiedenen sicherheitsrelevanten Akteuren. Die dafür notwendige Vernetzung steigert die Anforderungen an den Informationsbedarf und das Informationsmanagement der Streitkräfte. Moderne Informations- und Kommunikationstechnik eröffnet eine Möglichkeit, diesen Anforderungen zu begegnen. Ihre konsequente Anwendung erlaubt beschleunigte Entscheidungsprozesse und flexible Reaktionen auf sich schnell ändernde Sicherheitslagen. Ein Ziel der Transformation ist es daher, die Nutzung von Informationstechnik im Führungsprozess zu intensivieren, um Planungs- und Entscheidungsprozesse über alle Ebenen militärischer Führung hinweg effektiver und effizienter als bisher zu gestalten.
Dies ermöglicht auch die notwendige Integration militärischen Handelns in ein politisches Gesamtkonzept zur Lösung von Konflikten, mithin die Synchronisation oder zumindest Koordination militärischen Handelns mit dem Einsatz nicht-militärischer Akteure. Die Globalisierung und ihre sicherheitspolitischen Aspekte verlangen von Streitkräften zudem die anhaltende Förderung der Interoperabilität mit den Streitkräften anderer Nationen. Krisen und sicherheitsrelevante Entwicklungen auch in entfernten Regionen der Welt wirken auf die Sicherheit und Prosperität demokratischer Staaten, auf ihre Gesellschaften, Wirtschaft und Freiheit ein. Ihnen muss auf geeignete Weise begegnet werden, was nur durch multinationale Zusammenarbeit gelingen kann.
Wie ihre internationalen Partner...
...verbessert die Bundeswehr ihre Fähigkeiten zur streitkräftegemeinsamen Führung von Operationen, multinationalen Interoperabilität und operationellen Flexibilität durch stetige Anpassungen an eine sich dynamisch ändernde Einsatzwirklichkeit. Dabei ist die Fähigkeit zur Interoperabilität im multinationalen Umfeld entscheidend, sichert sie doch die eigene Relevanz und Glaubwürdigkeit im Bereich der internationalen Sicherheitsvorsorge. Die stetige Anpassung des Gesamtsystems Streitkräfte an die komplexen, einer großen Dynamik unterliegenden Rahmenbedingungen erfordert eine neue Systematik. Im Rahmen der Konzeptentwicklung und deren experimenteller Überprüfung (CD&E) versucht die Bundeswehr dementsprechend, Innovationspotenzial zu identifizieren, es auf Nutzen sowie Realisierbarkeit zu untersuchen, um dann Lösungsmöglichkeiten für gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen abzuleiten. So beteiligt sie sich konsequent an multinationalen CD&E-Prozessen und betreibt einen eigenen nationalen Experiment- Zyklus.
Insbesondere zielt dies auf eine Optimierung des künftigen militärischen Fähigkeitsprofils, den Erwerb von „Network Enabled Capabilities“ zur Sicherung der Fähigkeit zur Interoperabilität. Die Fähigkeit zur „Vernetzten Operationsführung“ (NetOpFü) spielt dabei eine zentrale Rolle und ist eine der bedeutendsten Zielsetzungen der Transformation. Im Einsatz müssen Streitkräfte auf allen Ebenen der Einsatz- und Operationsführung verbundenes Wirken umsetzen, multinationales Zusammenwirken zum Tragen bringen, sich in ressortübergreifende Zusammenarbeit integrieren und mit staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen zusammenarbeiten.

Die Beherrschung und Bewältigung...
...der sehr komplexen Lagen gegenwärtiger und zukünftiger Krisen und Konflikte, deren Ursachen oft in einer Gemengelage unterschiedlichster sozio- ökonomischer, ethnischer, wirtschaftlicher und politischer Interessen der Konfliktparteien zu suchen sind, bedürfen als Grundlage einer Informations- und Wissensüberlegenheit. Diese müssen in einer Führungs- und Entscheidungsüberlegenheit resultieren, die ein überlegenes flexibles und situationsgerechtes Agieren ermöglichen. Dazu bedarf es neben der zielgerichteten und zeitgerechten Sammlung von Daten, deren Filterung und Aufbereitung zu relevanten, auf verschiedene Nutzer zugeschnittene Informationen. Ihre ebenengerechte und durchgehende Verteilung geschieht mit dem „Gemeinsamen Rollenorientierten Einsatz-Lagebild“.
Technische Lösungen dienen letztlich aber nur als Werkzeug des dahinter stehenden „Vernetzten Denkens und Handelns“. Nur wenn Einsatzdoktrin, Organisation und Ausbildung aufeinander abgestimmt sind, lassen sich die hohen Innovationsanforderungen realisieren. Sie müssen als Gesamtsystem verstanden und auf die Erlangung der geforderten Postmoderne von Streitkräften ausgerichtet sein. Ein Beispiel findet sich in der Führungsorganisation. Die komplexen Rahmenbedingungen erzwingen adäquate Während zentralistische Führungshierarchien die Schnelligkeit des Entscheidungsprozesses c.p. befördern, behindern sie gleichzeitig Innovation, Dynamik und Flexibilität. Führungsmodelle.
Heutige Herausforderungen...
...unterstreichen die Notwendigkeit immer kleinerer und zunehmend spezialisierter, modularer, oft auch streitkräftegemeinsamer Verbände und Einheiten, die schnell und flexibel an neue Rahmenbedingungen anpassbar sind. Sie unterstützen ein modernes, unmittelbares, motivierendes Verständnis von Führung und fördern Kreativität. Darauf zielt auch das Prinzip des Führens mit Auftrag, welches zwar besondere Anforderungen an den nachgeordneten Führer stellt, aber mit der gründlichen Kenntnis der Einsatzbedingungen einen wichtigen Vorteil auszunutzen vermag. Im unmittelbaren Kontakt mit den Akteuren im Operationsraum ist das Lagebild detaillierter und die Kenntnis des Umfelds am größten. Neben den die Effektivität von Streitkräften fordernden Bedingungen bestehen in einer globalisierten Gesellschaft zusätzliche Anforderungen an die Effizienz militärischen Handelns.
Schon das Gebot des wirtschaftlichen Umgangs mit staatlichen Ressourcen verlangt vom militärischen Führungspersonal eine konsequente Umsetzung wirtschaftlichen Denkens und Handelns. Aus all dem resultiert die Erkenntnis, dass unter den gegenwärtigen und zukünftigen Rahmenbedingungen die Anforderungen an das Individuum deutlich vielschichtiger sind als dies in Zeiten der „starren“ Ost-West- Konfrontation der Fall war. Dieses Mehr an intellektuellen Anforderungen, an geforderter Lern- und Anpassungsfähigkeit sowie persönlicher Flexibilität muss sich in der Aus-, Fort- und Weiterbildung der militärischen Führer widerspiegeln. Eine streitkräftegemeinsame, einsatzbezogene Ausbildung muss die Grundlagen für die Bewältigung der Anforderungen eines heutigen und künftigen Einsatzes schaffen und die militärischen Führer mit entsprechenden methodischen und fachlichen Kompetenzen ausstatten.
Ohne tiefgreifende methodische Grundbildung und darauf aufbauende lebenslange Fort- und Weiterbildung zur Aneignung von Spezialwissen kann die für die anspruchsvolle Aufgabenstellung hinreichende Flexibilität und Effektivität nicht gewährleistet werden. Die notwendige Fähigkeit zur differenzierten Urteilsbildung verlangt nach einem tragfähigen Fundament aus Wissen, Bildung und Erziehung. Die Transformation der Bundeswehr muss sich deshalb auch auf eine Transformation der Aus-, Fort- und Weiterbildung stützen, womit aus der Transformation zusätzlich ein wertebezogenes, wissens- und bildungsgestütztes Projekt wird. Nur der gebildete Offizier kann seinen Auftrag als militärischer Führer erfolgreich meistern, kann die Folgen seines Handelns und Nichthandelns überblicken und seinen Aufgaben als Erzieher, Ausbilder und militärischer Führer gerecht werden.
Die Transformation des Gesamtsystems Bundeswehr wird schließlich vom Personal, insbesondere dem Führungspersonal getragen, welches Veränderungen erfassen und Anpassungsbedarf identifizieren muss, um nach einer sachgerechten Bewertung daraus Maßnahmen ableiten und umsetzen zu können. Daher muss ein tiefes Verständnis für die Notwendigkeit einer steten Anpassung und eines permanenten Abgleichs der vorhandenen Organisationen, Strukturen und Verfahren mit der Einsatzwirklichkeit erzeugt und verankert sein. Das militärische Ausbildungssystem und damit besonders die FüAkBw stehen folglich mitten im Transformationsprozess der Bundeswehr. Die Ausbildung muss Schritt halten mit dem Innovationstempo globaler Entwicklungen, der eigenen Gesellschaft und der Lernfähigkeit möglicher Opponenten.

Die erforderliche Professionalisierung...
...militärischer Führer verlangt einen Prozess der Vertiefung und Erweiterung, der Differenzierung und Spezialisierung der militärischen Ausbildung. Da sich der Zeitaufwand für die Ausbildung nicht beliebig vergrößern lässt, müssen Ausbildungsgänge auf ihre Notwendigkeit überprüft, gestrafft und moderne Ausbildungstechniken in die Lehre integriert werden. Hierbei wird die Verzahnung der Ausbildung mit aktuellen CD&E-Vorhaben eine besondere Rolle spielen. Es gilt, die veränderten Rahmenbedingungen für den Einsatz und Betrieb von Streitkräften zu berücksichtigen sowie die Anwendung, Umsetzung und Weiterentwicklung der Prinzipien der Inneren Führung als zentralen Bestandteil der Lehre zu betonen, um veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen adäquat abzubilden.
Im Bereich der militärstrategischen Führungsausbildung geht es in erster Linie um die Förderung des Verständnisses für die Bedeutung von Transformation für die Beitragsfähigkeit und Relevanz der Bundeswehr im Rahmen eines umfassenden, Ressort übergreifenden Sicherheitsverständnisses. Die einsatzbezogene Ausbildung orientiert sich an geforderten Standards der NATO sowie EU und bezieht verstärkt Ausbildungseinrichtungen ziviler staatlicher wie nichtstaatlicher Einsatz-, Rettungs- und Hilfskräfte ein. Dieser breite Ansatz stellt sicher, dass Vernetzte Operationsführung auch die Zusammenarbeit ziviler und militärischer Einsatzkräfte auf ein wirksames Fundament von Fähigkeiten stellt. Mit Bezug auf die Ebene der operativen Führung kommt den streitkräftegemeinsamen Anteilen der Ausbildung besonderes Gewicht zu.
Militärische Führungskräfte benötigen grundlegende Kenntnisse über Organisation, Struktur, Verfahren und Fähigkeiten aller militärischen Organisationsbereiche. Es geht somit um die Breite des übergeordneten militärischen Wissens, das aber die Tiefe der Kenntnisse des jeweils eigenen militärischen Fachgebiets nicht verdrängen darf. Nur die Beherrschung des spezifischen militärischen Handwerks in den jeweiligen Teilstreitkräften erlaubt die Realisierung von Synergiegewinnen durch deren übergeordnete Verbindung und Zusammenführung auf der operativen Ebene. Zur Modellierung eines solch umfassenden und dabei flexiblen Bildungssystems wurden für die Lehre an der FüAkBw Ausbildungsteilziele definiert, deren Aggregation zu untereinander vernetzten Ausbildungsfeldern führt. Im Ausbildungsfeld „Staat, Gesellschaften und Militär“ zielt die Lehre auf ein grundlegendes Verständnis politischer, historischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge. Führungskräfte sollen befähigt werden, die Ursachen von Konflikten zu erkennen und zu analysieren, um daraus mögliche Konfliktlösungspotenziale abzuleiten, die außerhalb des traditionell militärischen Wirkungsbereichs liegen.
Dieses Ausbildungsfeld subsummiert somit die nicht originär militärischen Anteile der Bildung, die für das Konfliktmanagement und die Krisenprävention heutiger und zukünftig vorstellbarer Szenarien mittels eines ganzheitlichen Ansatzes unabdingbar sind, und die es in politisch-militärischen Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen gilt. Hier liegt eine der inhaltlichen Verbindungen zum Ausbildungsfeld „Führung und Einsatz von Streitkräften“, das auf die Fähigkeiten zielt, die Verwendungen im nationalen wie multinationalen Bereich Voraussetzung sind. Dazu zählen Fähigkeiten, die es einem Stabsoffizier erlauben, im streitkräftegemeinsamen, nationalen sowie internationalen Rahmen über das gesamte Aufgabenspektrum hinweg Wirksamkeit zu entfalten. Militärische Planungs- und Entscheidungsprozesse sind in diesem Ausbildungsfeld ebenso Gegenstand der Lehre wie nationale und multinationale Führungs- und Einsatzgrundsätze auf operativer und taktischer Ebene. Die Umsetzung und Anwendung der Führungs- und Einsatzgrundsätze wiederum fußt auf der individuellen Führungskompetenz der Stabsoffiziere. Das entsprechende Ausbildungsfeld zielt auf das Denken und Handeln der Offiziere.
Die Bedeutung der Prinzipien der Inneren Führung, ihre notwendige Weiterentwicklung und praxisnahe Umsetzung nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Das für einen modernen militärischen Führer notwendige Selbstverständnis sowie die Fähigkeit zu effizientem Einsatz von Ressourcen und Informationen werden aufbauend auf der vorhandenen Berufserfahrung der Offiziere weiterentwickelt und vertieft. Neben den angerissenen Ausbildungsinhalten sind für das Führungspersonal natürlich die profunde Kenntnis der Organisation und Struktur von Streitkräften von grundlegender Wichtigkeit. Entsprechende Lehrinhalte werden durch die Ausbildungsfelder „Fähigkeiten und Strukturen von Streitkräften“ sowie „Grundbetrieb Bundeswehr“ abgedeckt.
Aufbauend auf der Organisation und Struktur der Streitkräfte und ihrer Teilbereiche sowie den Grundlagen der Bundeswehrplanung im Rahmen der Transformation von Streitkräften sollen das Verständnis für die Konzeption der Bundeswehr, die Kenntnis der Fähigkeitskategorien und Fähigkeitslagen sowie das Wissen um das Zusammenspiel der Kräfte, Mittel und Verfahren der Bundeswehr gestärkt werden. Damit wird die Basis für die Weiterentwicklung der konzeptionellen Grundlagen von Fähigkeitskategorien in den Streitkräften gelegt. Schließlich benötigen die Führungskräfte ein tiefgreifendes Verständnis der Funktionsweise und des Betriebs der Bundeswehr im multinationalen, vernetzten Einsatz.

Die Lehre an der FüAkBw...
...hat sich damit bereits heute an die aus der Transformation und Einsatzorientierung erwachsenden Anforderungen angepasst. Sie bietet eine inhaltliche wie methodische Grundlage für die Aneignung aktueller und spezieller Kenntnisse und Fähigkeiten, für deren Einordnung und Anwendung. Analog der akademischen Basis, die ein Studium vermittelt, müssen die erarbeiteten Grundlagen aber stets weiterentwickelt und durch Erfahrungswissen ergänzt werden. Die parallele Abbildung streitkräftegemeinsamer und organisationsbereichsspezifischer Ausbildungsinhalte bei nicht verlängerter Ausbildungszeit wurde durch Straffung der Letztgenannten zugunsten streitkräftegemeinsamer Themen sowie der Vernetzung einer zentralen Ausbildungsunterstützung mit den Fachbereichen der Teilstreitkräfte erreicht. Eine begleitende, kontinuierliche Auswertung und Evaluation stellt sicher, dass die Lehre in einem evolutionären Sinne mit der Dynamik der Einsatzrealität Schritt hält.
Die Lehre stützt sich auf eine funktionskonforme Arbeitsgliederung und eine enge Koordination zwischen den an ihr beteiligten Fachbereichen, die in die Gesamtkonzeption der FüAk- Bw eingebettet sind. So vermittelt der Fachbereich Führungslehre Heer ausgehend von der Führungsebene Brigade bis hin zum „Land Component Command“ die Führungsgrundsätze der Truppenführung für Operationen verbundener Kräfte. Die lage- und auftragsgerechte Anwendung des Führungsprozesses der Landstreitkräfte wird in Stabsübungen mit realistischen Szenarien, die das heutige komplexe und dynamische Einsatzumfeld abbilden, im gesamten Intensitätsspektrum praxisnah geübt. Als Beispiel sei die im Fachbereich erarbeitete Rahmenlage AZORIA genannt. Sie ermöglicht hochaktuelle Themenbereiche, wie z.B. „Kampf gegen Aufstand und Terror“, lagebezogen und vertiefend zu bearbeiten.
Die engen Verbindungen zum Führungsstab des Heeres, dem Heeresführungskommando und Heeresamt stellen sicher, dass neue Entwicklungen der Transformation und aktuelle Erkenntnisse aus den laufenden Einsätzen zeitnah in die Lehre einfließen. In einer vergleichbaren Anpassung seiner Struktur und Lehre an die aus der Transformation resultierenden Bedingungen hat der Fachbereich „Führungslehre Luftwaffe“ die Zielsetzung der Lehre auf die Rolle von Luftmacht im Zusammenwirken der einzelnen militärischen Organisationsbereiche konzentriert. In Unterrichten, Seminaren und Übungen erfolgt die Anlage von Fähigkeiten und Grundwissen, die für die streitkräftegemeinsame Operationsführung notwendig sind. Schwerpunkte sind insbesondere Fragestellungen der Transformation als Gestaltungsprinzip der fähigkeitsorientierten Weiterentwicklung, der Vernetzten Operationsführung, der auswirkungsorientierten Operationsplanung und –führung, der Steigerung der Wirtschaftlichkeit sowie der CD&E-Prozesse als Schlüsselmethode der Transformation. Aus dem engen Zusammenwirken mit dem Führungsstab der Luftwaffe, den Höheren Kommandobehörden der Luftwaffe sowie mit internationalen Organisationen und Militär-Akademien anderer Nationen ergeben sich aktuelle Impulse für die Lehre sowie ein fortlaufender Informationsaustausch. Zentrales Anliegen des Fachbereichs „Führungslehre Marine“ ist die Vermittlung eines umfassenden Verständnisses der „Maritimen Fähigkeiten der Bundeswehr“.
Daher gehen die maritimen Ausbildungsinhalte weit über die konzeptionellen, strukturellen und operativen Grundlagen der Deutschen Marine hinaus. Ausgehend von den maritimen Abhängigkeiten und der Bedeutung der See für die Sicherheit Deutschlands wird verdeutlicht, wie in einem fähigkeitsorientierten, streitkräftegemeinsamen und multinationalen Ansatz die „Maritimen Fähigkeiten der Bundeswehr“ auf und von der See im geforderten Aufgabenspektrum wirksam eingebracht werden können. Das Thema „Maritime Sicherheit“ wird auf der Grundlage eines umfassenden Sicherheitsbegriffs vermittelt, da die konzeptionelle Forderung nach der Befähigung zum Schutz der Seeverbindungslinien Deutschlands als Exportnation und seiner Verbündeten zwingend Ressortgemeinsamkeit, vernetzte Sicherheit und Multinationalität erfordert.
Die Lehre des Fachbereichs „Sanitätsdienst und Gesundheitswesen“ vermittelt Stabsoffizieren aller militärischen Organisationsbereiche in einem interdisziplinären, fach- und organisationsbereichsübergreifenden Ansatz Inhalte, welche für die effiziente Wahrnehmung ihrer (Führungs-) Aufgaben notwendig sind. Dazu gehört ein umfassendes Verständnis der Grundlagen des nationalen und internationalen Sanitätsdienstes, der sanitätsdienstlichen Versorgung im multinationalen Verbund sowie für gesellschaftliche und ökonomische Problemstellungen des Gesundheitswesens in ihren Auswirkungen auf die Streitkräfte. Durch enge Kooperation mit zivilen und militärischen Einrichtungen, Behörden, Instituten und Organisationen sollen der „Inter- Agency-Approach“ und internationale Kooperationen verstärkt werden. Ein zentrales Element der Weiterentwicklung der Lehre Sanitätsdienst und Gesundheitswesen ist dabei der gezielte Ausbau eines umfassenden Qualitätsmanagements auf der Basis von Richtlinien und Standards sowie Ausbildungscontrolling.
Die Heranführung der Stabsoffiziere an das synergetische Zusammenwirken in einem streitkräftegemeinsamen und multinational geprägten Umfeld schließlich ist Teil der Ausbildung durch den Fachbereich „Führung und Einsatz Streitkräfte (FES)“. Zu dem hier vermittelten Basiswissen gehören die Planungsverfahren und Arbeitsweisen in NATO- und EUStäben. Den Veränderungen in der Planungsphilosophie und den Führungsverfahren auf operativer Ebene wird durch eine ständige Adaption der Lehre an die Entwicklungen in der NATO und EU Rechnung getragen. Als Vehikel der Lehre dienen in der NATO entwickelte und gepflegte Szenarien, die moderne Krisen mit einem breiten Spektrum an Herausforderungen, einschließlich asymmetrischer Bedrohungen, abbilden und anhand derer die Lehrgangsteilnehmer in einer experimentellen und individuellen Anwendung der erlernten Planungsverfahren Handlungssicherheit gewinnen.
Die aus diesen Planübungen gewonnene Glaubwürdigkeit der Lehre wurde durch die Ergänzung eines Szenarios ausgebaut, welches eine VN-Friedensmission widerspiegelt und an der FüAkBw gemeinsam mit anderen sicherheitsrelevanten Ressorts sowie staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen durchgeführt wird. Die Lehre an der FüAkBw nutzt -wo immer möglich- Synergieeffekte, die sich aus bedarfsträgergerechten didaktischen Konzepten ergeben. Planung, Durchführung und Evaluation der Lehre müssen auf die Bedürfnisse, Erfahrungen, Interessen und kognitiven Strukturen der Lehrgangsteilnehmer eingehen. Wird auch der Lernende als Wissensträger begriffen und durch einen partnerschaftlichen Lernprozess, eigenverantwortlich und selbstorganisiert, mit Handlungsfreiräumen in die Lehre einbezogen, fördert dies Motivation und Zielstrebigkeit. Lernende sind Experten der unterschiedlichsten Fachgebiete und Ausprägungen. Sie sind Träger individuellen Wissens.
Die Kombination dieses individuellen Wissens aus verschiedenen Fachgebieten kann an den Schnittstellen zur Generierung innovativen Wissens führen. Auf diese Weise lässt sich die Dynamik der Lehre erhöhen. Methodische Grundlage einer solchen Vorgehensweise ist die adäquate Etablierung eines Wissensmanagements, welches in Kombination mit einem Innovations- und Projektmanagement zu einem wirkungsvoll integrierenden Instrument künftig heranwachsen kann. Darüber hinaus ist die internationale Stellung und Relevanz der FüAkBw Ziel der Bemühungen im Optimierungsprozess. Durch eine vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit mit ausländischen, zunächst vor allem europäischen Akademien und eine Verstärkung des internationalen Austauschs von Lehrgangsteilnehmern ist dies zu leisten.
Dabei gilt es, ein zwischen FüAkBw und ausländischen Akademien anerkanntes Gerüst von Ausbildungsabschnitten zu realisieren, das eine gleichbleibende Qualität der Wissensvermittlung ermöglicht. Um den Aktualitätsbezug ständig herzustellen und zu sichern, gilt es, die Verzahnung der Lehre an der FüAkBw mit einer zielgerichteten nationalen Grundlagenarbeit zu intensivieren. Mit dem Dezernat Grundlagen/ Zuarbeit BMVg im Fachbereich FES und der permanenten Abstimmung aller Fachbereiche mit „ihren“ militärischen Organisationsbereichen sind erste Schritte in diese Richtung getan. Mit der Einbindung der FüAkBw in den zur Zeit in der Ausplanung befindlichen Verbund „Grundlagenarbeit im Rahmen der Weiterentwicklung streitkräftegemeinsamer Operationsführung“ folgt der nächste Schritt. Durch die geplante ablauforganisatorische Zusammenführung des Zentrums für Transformation der Bundeswehr, des Kommandos Operative Führung Eingreifkräfte und des Dezernats Grundlagen/Zuarbeit BMVg, kann die FüAkBw fest in das durch den Generalinspekteur der Bundeswehr etablierte Kräftedreieck der Transformation integriert werden.
