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Mehr als „Kästchen basteln“

Was haben Organisation und Innere Führung miteinander zu tun? Auf den ersten Blick scheinbar nicht viel. Aber der Schein trügt. (2/2009)

Stift und Büroklammer
Organisation als Gestaltungsfeld (Quelle: Pixelio)Größere Abbildung anzeigen

Organisateure „basteln einsam an ihren Kästchen“, Innere Führung wird allen Soldatinnen und Soldaten am Zentrum Innere Führung zugänglich vermittelt, so könnte man vorschnell urteilen. Beide Bereiche haben dennoch viel gemeinsam, sind eng miteinander verflochten. Organisation wird grundsätzlich von Soldatinnen und Soldaten gemacht und betrifft in ihren Ergebnissen Soldatinnen und Soldaten sowie oftmals ihre Familien mittel- oder unmittelbar.

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Organisation im Zeitalter der Transformation

Für ein auf Dauer angelegtes System wie die Bundeswehr ist das Ziel, dem durch die Organisation Rechnung getragen wird, von entscheidender Bedeutung. Das Organisationsziel muss dabei durch Bildung und Koordination aufgabenteiliger und funktionsfähiger Elemente sowie eine sinnvollen raumzeitlichen Strukturierung von aufgabenbezogenen Arbeitsvorgängen erreicht werden. Diese Aufbau- und Ablauforganisation bildet in ihrer Gesamtheit die Organisationsstruktur. Im Sinne eines planmäßigen und ordnenden Gestaltens muss sie sich am Ziel ausrichten. Sie muss um ihrer Effizienz willen einerseits auf Kontinuität beruhen, andererseits entsprechend den jeweiligen Anforderungen, die an sie nicht zuletzt durch den Wandel von einer Friedens- zur einer Einsatzarmee gestellt werden, veränderbar sein.

Die Aufbauorganisation von Streitkräften ist somit auf eine relative Dauer angelegt, sie ist einer Transformation als ein ständiger, begleitender und gestaltender Prozess unterworfen. Das heutige sicherheitspolitische Umfeld unterliegt rasant verlaufenden Veränderungen. Politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und nicht zuletzt technologische Entwicklungen finden immer schneller statt. Deshalb und weil die Bundeswehr kein hermetisch abgeschlossenes und autarkes System ist, sondern mit der offenen deutschen Gesellschaft auf vielfältige Weise verwoben ist, wird auf sie ein intensiver Anpassungsdruck ausgeübt. In der Organisationssprache heißt dies für die Bundeswehr, sich mit ihrer Aufbau- und Ablauforganisation fortlaufend an die sich permanent ändernden Rahmenbedingungen anpassen zu müssen.

Organisationsänderungen oder besser: die Organisationsentwicklung wird zu einem begleitenden Prozess, von dem verlangt werden muss, Veränderungsbedarf vorausschauend zu erkennen und am Ziel ausgerichtete Anpassungen zu planen, ohne ein fixiertes Ende zu kennen. Dies bedingt ein Management der Organisationsentwicklung, das die vielfältigen parallelen, miteinander in Beziehung stehenden Handlungsstränge zusammenbindet und dafür Sorge tragen muss, die beabsichtigten Wirkungen einzelner Maßnahmen nicht gegenseitig aufzuheben.

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Neue Organisationsformen

In der Zukunft werden neben den klassischen Strukturelementen – und deren verhältnismäßig „einfachen“ Änderungen/ Anpassungen – vermehrt neue Organisationsformen an Bedeutung gewinnen. Diese stellen für sich genommen jeweils neue Qualitäten da: virtuelle Organisationen, optimierte Eigenmodelle, Kooperationen mit zivilen Unternehmen und internationale Kooperationen. Mit der Einführung von SASPF wird eine integrierte, prozessorientierte DV-Unterstützung auf der Basis von Standard-Software geschaffen, die nicht nur mittelfristig die vorhandenen Altsysteme und Insellösungen ablöst, sondern mit der prozessorientierten IT-Unterstützung auch prägende Auswirkung auf die Organisation – „Organisationsänderung geht vor Softwareänderung“ – haben wird.

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Der Mensch in der Organisation – Organisation als Gestaltungsfeld der Inneren Führung

Dass die Ergebnisse der Organisationsarbeit Soldatinnen und Soldaten ganz konkret betreffen, zeigt sich etwa, wenn es um ihre Dienstposten im Allgemeinen oder die Herauf- oder Herabdotierung im Besonderen geht. Die Betroffenen können erwarten, dass die Anforderungen des Dienstpostens sie weder über- noch unterfordern. Sie müssen durch Ausbildung und Vorverwendungen hinreichend für die Aufgaben vorbereitet sein. Neben der sachgerechten Ausplanung der Struktur müssen Anzahl und Dotierung der Dienstposten in den einzelnen Verwendungsbereichen einen Aufbau ermöglichen, so dass die Soldatin und der Soldat in Übereinstimmung mit einem langfristigen Verwendungskonzept zur Berufssoldatin oder zum Berufssoldaten ernannt werden kann, ohne permanent einen Verwendungsbereich wechseln zu müssen. Es muss Chancengerechtigkeit herrschen.

Organisationsarbeit hat aber auch Auswirkungen auf die Familie: Ob Umstrukturierung, Verlegung, Auflösung einer Dienststelle oder Umstellung der Arbeitsabläufe – immer sind es Organisationsentscheidungen, die für den Einzelnen und seine Familie eine Veränderung bedeuten. Sie sind am Auftrag orientiert, folgen aber in gewisser Hinsicht eigenen Gesetzen, so etwa rationalen Überlegungen, Sachzwängen, geringer werdenden finanziellen Spielräumen, technischen Notwendigkeiten oder operativen Erfordernissen. Deshalb muss organisatorisches Gestalten die Grundsätze der Inneren Führung berücksichtigen und Grundlagen und Strukturen schaffen, die das Handeln in ihrem Sinne ermöglichen. Innere Führung verlangt in diesem Gestaltungsfeld die Fähigkeit, Veränderungsprozesse fundiert einzuleiten, zu gestalten und zu begleiten.

Innere Führung gelingt, wenn Vorgesetzte die Bereitschaft zur Veränderung als wesentlichen Erfolgsfaktor erkennen und die Identifikation der Beteiligten mit den Veränderungszielen durch Information sicherstellen. Innere Führung wird konkret in der steten Information, aber auch Auseinandersetzung mit den Betroffenen, in dem Sinne, dass Organisationsentscheidungen begründet, erläutert und „übersetzt“ werden müssen. Innere Führung fordert eine offensive und umfassende Kommunikation; nur diese kann die Glaubwürdigkeit erhalten und die Motivation hochhalten, wenn es so aussieht, als kämen sämtliche festen Orientierungspunkte ins Wanken. Innere Führung bedeutet aber auch ein „Abfedern“ von belastenden Maßnahmen, zum Beispiel durch ausreichend Zeit zur Umsetzung von Umstrukturierungsmaßnahmen, so dass Raum für individuelle Lösungen bleibt.

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Fazit

Innere Führung als die Führungsphilosophie der Bundeswehr erinnert beständig daran, dass der Einzelne nicht Objekt, sondern Subjekt allen Handelns ist. Sie erweist sich damit als konzeptionelles und tatsächliches Gegengewicht zu Sachzwängen und Notwendigkeiten. Sie ist ständiger institutionalisierter Appell an Vorgesetzte und Organisationsverantwortliche, das Wohl der Untergebenen und Betroffenen nicht aus den Augen zu verlieren. Organisation und Innere Führung schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich notwendigerweise.

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Stand vom: 07.08.12 | Autor: Autorenteam des Referates Fü S VII 1


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